Einblick in die "total normale" Praxis


Nach der Bewerbung des Projektes an verschiedenen Schulen und Einrichtungen in Dortmund und NRW wurden drei Gruppen zusammengestellt. Eine der Gruppen setzte sich aus körperlich, intellektuell und/oder sinnesbeeinträchtigten Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren zusammen. Sie leben in Dortmund, Lünen, Kamen und Bochum. Die beiden anderen Gruppen setzten sich jeweils aus hörbeeinträchtigten Mädchen und Jungen zusammen und unterschied sich vornehmlich aufgrund der Altersstruktur, die zwischen 10 und 14 Jahren bzw. 13 und 16 Jahren lag. Die Teilnehmer kommen aus ganz NRW, leben aber während der Schul-Woche im LWL-Internat in Dortmund Hacheney.

Über einen Zeitraum von neun Monaten erhielten die Jugendlichen in regelmäßigen, Abenteueraktionstage mit Hilfe von erlebnispädagogischen Methoden und Empowerment die Chance, durch besondere Erlebnisse und gemeinsame Aktivitäten mit anderen behinderten Jugendlichen bisher nicht entdeckte Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Zusammen wurden Möglichkeiten erarbeitet, wie sie ihre Freizeit sinnvoll aktiv gestalten können und damit das eigene Selbstbewusstsein stärken. Schwerpunkt war insbesondere das Kennenlernen der eigenen Hilfe- und Unterstützungsbedarfe und das Identifizieren und Bewältigen von Barrieren (z.B. von öffentlichen Einrichtungen und in der Kommunikation mit “Nichtbehinderten”). Einen bildlichen Einblick in die Umsetzung der Modellidee bietet die Fotodokumentation eines Aktionstages und die Dokumentation des Modellprojekts.

Die Jugendlichen der ersten Gruppe wurden in das kommunale Angebote der Jugendarbeit, der Gender-Bildungsstätte der Pfadfinderinnenschaft St. Georg e.V. “JaM” in Dortmund-Mengede eingebunden. Die Bildungsstätte bietet neben einem Raum für die Bedürfnisse und Besonderheiten der Jugendlichen die Möglichkeit, die Themen Mädchen-/Frauenbild und Jungen-/Männerbild gemeinsam mit anderen Jugendlichen vertiefend zu bearbeiten. Aus diesem Grund besuchten Ende 2007 mit einer der Jugendlichen-Gruppen das “JaM”. Die regelmäßige Besuche werden zur Zeit noch durch Projektmitarbeiter/innen begleitet. Angestrebt wird, dass die Jugendlichen die Angebote zukünftig eigenständig nutzen.

Am 24. Juni 2008 fand eine landesweite Fachtagung “Selbstbestimmung erfahren durch Erlebnispädagogik” statt, auf der das Modellprojekt vorgestellt wurde und die Raum bot für einen Austausch über die Erfahrungen und Ergebnisse unserer Arbeit. Die Veranstaltung bot zudem eine Plattform zur Vernetzung von Fachleuten der Jugendhilfe, der Erlebnispädagogik, der Bildung, der Behindertenarbeit und der Politischen Behindertenselbsthilfe.

Auf der Fachtagung wurde die Etablierung eines Netzwerks angestoßen, in dem gemeinsam Strategien erarbeitet werden, wie entsprechende Angebote für behinderte Jugendliche etabliert werden können.

Auf Grundlage der Erfahrungen aus dem Modellprojekt “total normal” werden erlebnispädagogische Bausteine entsprechend dem Ansatz von Selbstbestimmt Leben und Empowerment entwickelt. Ziel ist es, dass die Konzeptidee auch für weitere Träger bzw. Einrichtungen im schulischen und außerschulischem Bereich umsetzbar wird.