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Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget wird 20!

Das Jahr 2006 war ein sehr aktives bei MOBILE: zum einen wurde die Begleitete Elternschaft hier etabliert, zum anderen wurde die Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget ins Leben gerufen. Seit Juli 2006 bietet die Kontaktstelle Beratung rund um das Persönliche Budget und Persönliche Assistenz in der Organisationsform des Arbeitgebermodells. Im Bild Daniela Herrmann, Diplom-Sozialarbeiterin und -pädagogin, herzlichen Glückwunsch!

 

Beratung zum Persönlichem Budget und dem selbstbestimmten Leben mit dem eigenen Assistenzbetrieb!  

Die Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget

feiert ihr 20-jähriges Bestehen!

 

Die Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget blickt mit Stolz auf die letzten 20 Jahre Ihres Wirkens zurück. Am 1. Juli 2006 ging das Angebot unter der Trägerschaft von MOBILE – Selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V. , finanziell gefördert durch eine über 5 Jahre laufende Startförderung der Aktion Mensch an den Start. Aus der Selbstbestimmt Leben-Bewegung heraus entstanden, war das Thema Persönliche Assistenz als individuelle Unterstützung für behinderte Menschen MOBILE e. V. von Beginn an ein wichtiges Anliegen. Mit der Entwicklung von Schulungskonzepten, Literaturveröffentlichungen zum Thema Persönliche Assistenz und der Durchführung von Projekten war der Verein maßgeblich sowohl an der politischen als auch der juristischen Etablierung Persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell beteiligt. Kostenträger und Gerichte waren davon überzeugt worden, dass behinderte Menschen Persönliche Assistenzkräfte nicht länger für ein Taschengeld im Graubereich beschäftigen durften, sondern arbeits- und sozialversicherungsrechtlich korrekte Arbeitsverhältnisse geschaffen werden mussten. Die Zeit für die Schaffung der Angebote der Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget war somit reif.  

 

Mit dem Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget im Jahr 2008 erlangte Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell zusätzliche Popularität, wenngleich das Modell auch schon vor dem Persönlichen Budget mittels einer einfachen Geldleistung umgesetzt werden konnte und auch umgesetzt wurde.

 

Beratung erfolgt fachlich qualifiziert nach dem Prinzip des Peer-Counseling 

 

Menschen, die die Chance des selbstbestimmten Lebens mit Persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell nutzen möchten oder dies beabsichtigen, standen und stehen damals wie heute vor einer Reihe an Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Ob Assistenz bei der Pflege, im Haushalt, im Freizeitbereich, bei Unterstützung der Ausübung der Elternrolle oder aber in der Schule, im Studium oder am Arbeitsplatz – es geht immer um die Gründung eines eigenen, kleinen Assistenzbetriebes. Die Arbeitgeber:innen wählen ihre Assistenzkräfte selbst aus, stellen diese ohne Zwischenschaltung eines ambulanten Dienstes direkt ein, managen den Dienstplan, arbeiten das Personal ein, leiten es an, verwalten die Finanzen und sind für die Auszahlung von Löhnen, Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen verantwortlich.

 

An dieser Stelle ist es wichtig, zu erwähnen, dass das Persönliche Budget nicht nur für Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell genutzt werden kann, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Bezahlung von z. B. Fahrdiensten oder Kursangeboten an Volkshochschule oder einem anderen Anbieter am Markt an Stelle von Leistungen der klassischen Behindertenhilfe.

 

Die Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget bietet Beratung und Unterstützung bei der Analyse des Assistenzbedarfs und bei der Antragstellung bei den zuständigen Leistungsträgern (Kostenträgern). Ist ein Persönliches Budget bewilligt, geht es tatkräftig an den Aufbau des Betriebes. Die Kontaktstelle gibt wichtige Hinweise und Tipps zur Aufstellung des Teams und Planung der Dienste. Haben die Arbeitgeber:innen passendes Personal gefunden, werden Arbeitsverträge geschlossen und die Kooperation mit Lohnbüros hergestellt, mit denen eine gute Zusammenarbeit gepflegt wird, so dass Beratung und Lohnabrechnung sich gut ergänzen. Den bis Ende 2025 bestehenden eigenen Lohnabrechnungsservice hat die Kontaktstelle aus organisatorischen Gründen aufgegeben. Gruppenschulungen erfolgen auf Anfrage. Eine tragende Rolle stellt in der Kontaktstelle das Peer-Counseling dar, nach dessen Prinzip Menschen mit Behinderungserfahrung andere Personen mit Beeinträchtigung beraten. So erfolgte die Beratung von Beginn an durch qualifizierte Beratende mit Hochschulabschlüssen, die selbst mit einer Beeinträchtigung leben und sich im Gespräch authentisch und empathisch einbringen und ggf. als positives Rollenmodell fungieren können.  

 

Das gemeinnützige Angebot kämpft um Refinanzierung 

 

Nach Beendigung der Startförderung der Aktion Mensch im Sommer 2011 hat sich die Kontaktstelle gemeinsam mit den unterstützten Menschen für die weitere Finanzierung des Angebotes stark gemacht. Schließlich ist es der Kontaktstelle nach Verhandlungen mit der Stadt Dortmund gelungen, ab dem Jahr 2012 einen kleinen jährlichen kommunalen Zuschuss  zur Weiterführung der Arbeit zu erlangen, der den Fortbestand des ausschließlich gemeinnützigen Angebotes bis heute ermöglicht und einen Beitrag dazu leistet, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf in Selbstbestimmung wohnen, lernen, studieren und arbeiten, ihre Elternrolle oder ein Ehrenamt erfüllen, aber auch feiern und ihren Hobbies nachgehen können. Der Stadt Dortmund gilt an dieser Stelle unser ganz herzlicher Dank! Ebenso danken wir der Sparkasse Dortmund, die zweimal mit einer großzügigen Spende zur Förderung unserer Arbeit beigetragen hat und MOBILE e. V., der die Kontaktstelle durch Finanzierung der Restmittel wertschätzt und absichert. 

 

Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung spielen eine wichtige Rolle

 

Von Mai bis September 2015 führte die Kontaktstelle eine „Voruntersuchung zur inhaltlichen und räumlichen Fortentwicklung der Unterstützungs- und Beratungsangebote beim Persönlichen Budget“ durch, innerhalb derer Außensprechstunden in Bochum und den Kreisen Olpe, Recklinghausen und Unna angeboten und gut angenommen wurden. Finanziert wurde die Voruntersuchung durch das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales (MAIS) des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Ziel der überkommunalen Finanzierung der Kontaktstelle war und ist leider nicht realisierbar, aber wir konnten das Persönliche Budget bei Ratsuchenden, anderen Beratungsstellen und auch bei Verwaltungsmitarbeitenden bekannter machen.

 

Ab dem Jahr 2018 wirkte die Kontaktstelle im Rahmen der Kampagne – „Persönliches Budget – Mehr als Geld“, initiiert und durchgeführt durch die Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben NRW (KSL.NRW) mit. Mittels einer Wanderausstellung, Informationsveranstaltungen und Praxisdialogen wurden wiederum (potenzielle) Budgetnehmende sowie Fachpersonal von Beratungsstellen und der Verwaltungsebene angesprochen.

 

Seit Bestehen war und ist es der Kontaktstelle ein Anliegen, durch Öffentlichkeits- und Gremienarbeit sowie durch Vorträge und fachlichen Austausch das Thema Persönliches Budget zu platzieren und sich für gute Umsetzungsbedingungen stark zu machen. Dies ist gerade in Zeiten, in denen Personen mit Unterstützungsbedarf von massiven Sozialleistungskürzungen bedroht sind umso wichtiger.

 

 

 

Mit Blick nach vorne - die Kontaktstelle macht weiter

 

In den letzten 20 Jahren hat die Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget rund 100 Personen darin begleitet, ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu gehen. Derzeit steht sie mit 50 aktiven Kleinbetrieben im Beratungsprozess, der sich – je nach individuellem Bedarf - mal mehr, mal weniger intensiv gestaltet. Auch im Jahr 2026 bringen wir das Thema durch Vorträge, fachliche Kooperationen, die Teilnahme an Austauschrunden und die Teilnahme an der bundesweiten Tagung „25 Jahre Persönliches Budget: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget (BAG PB) weiter voran. Das Persönliche Budget muss auch zukünftig ermöglichen, dass Personen mit Beeinträchtigung selbstbestimmt leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit genießen können. Wir danken unseren Ratsuchenden, die Vertrauen in unsere Unterstützung gesetzt haben und weiter setzen sowie allen Wegbegleiter:innen für die finanzielle, fachliche und motivationale Unterstützung und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!   

 

Dortmund, im Juli 2026

[Im Bild Daniela Herrmann vor einem bunten Plakat der Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget und der Text: Herzlichen Glückwunsch! 20 Jahre KPA/PB. ]

 

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mi, 15. Juli 2026

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